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 http://www.xcontest.org/austria/fluge/fluginformationen:staufisch/17.6.2012/08:24
Vorgeschichte
Am Montag, dem 11. Juni 2012 schaute die Prognose für's kommende Wochenende bereits sehr gut aus und nach langer Schlechtwetterphase war der Flugentzug schon riesig. Leider war mein bestellter AirDesign VOLT noch immer in Produktion und mein alter Schirm hat mit über 700 Flugstunden seinen Zenit weit überschritten. Also rief ich bei AirDesign an und tatsächlich konnte mir Martin Gostner von AirDesign für's Wochenende einen RISE (EN-B) organisieren. Bereits am Mittwoch war der Schirm in der Post. Danke, Martin!
Wohin nur?
Am Donnerstag lief dann die XC-Hotline heiß. Wer ist motiviert, wer hat Zeit, wo könnte es am besten gehen, ...? Fragen über Fragen. Letztendlich gesellte sich eine kleine, feine Runde zusammen, die aus Werner Luidolt, Christoph Haas, Lex Robé, Bernhard Plasser, Peter Wallner, Joe Edlinger, Hans Tockner und meiner Wenigkeit, Stefan Aufischer, bestand. Wir beschlossen es am Freitag von Sorica (Slowenien) aus zu versuchen.
Sorica
Freitag, 15. Juni 2012, 03:15 ... Tagwache! In Sattledt traf ich mich mit Bernhard. Von dort ging's weiter bis Flachau, wo wir uns mit Lex, Werner und Christoph trafen. Im Konvoi ging's weiter bis zum Karawankentunnel, wo auch Peter, Joe und Hans zu uns stießen. Weiter ging es nach Slowenien über Bohinjska Bistrica Richtung Sorica. Am Parkplatz gab es dann keine Trödelei mehr, denn die ersten Bummerl waren schon zu sehen. Die 150 Höhenmeter zum Startplatz waren schnell überwunden, doch oben angekommen, erlebten wir die erste böse Überraschung unseres XC-Ausflugs: der Wind blies mit 15-20 km/h aus Westen.

Nach einer Stunde Warten ergriff einer aus der tschechischen Fliegerrunde, die auch am Startplatz waren, die Initiave und haute sich mit seinem Poison 2 raus. Na ja, nachdem wir ein paar Minuten zugeschaut hatten, wie sich der Pilot durch die Luft schießen ließ und dann der einzige Local auch noch zusammenpackte, entschieden wir uns schweren Herzens, nicht zu starten. Peter, Joe und Hans, die nur einen Tag Zeit hatten, fuhren gleich nach Hause. Der Rest entschied sich, nach Tolmin zu fahren...
Tolmin
Um 14 Uhr kamen wir in Tolmin an, wo die Flugbedingungen um vieles besser waren. Leider mussten wir den Fehlstart eines Piloten beobachten, der trotz Verhänger den Start nicht abbrach und seitlich in den Hang flog. Da der Hubschrauber gerufen wurde, verzichteten wir natürlich auf einen Start, um den Einsatz nicht zu stören.
Spät aber doch starten wir gegen 15:30 Uhr und hatten noch wunderbare Flugbedingungen bis zum späten Abend. Einige flogen sogar bis Gemona und zurück. Ich hatte leider eine kleine Baustelle nach der Querung bei Kobarid und musste mich im Talwind soarend ausgraben. Hier bewies der AirDesign RISE zum ersten Mal seine Fähigkeit, auch das kleinste Steigen auszunutzen. Es war möglich, ihn sehr flach und eng im schwachen Aufwindband zu bewegen.

Nach der abendlichen Wetteranlayse bei Pizza und Bier, entschlossen wir uns, nächsten Tag zeitig Richtung Speikboden aufzubrechen, da wir dort das größere XC-Potential vermuteten.
Speikboden, Sand in Taufers
Nach einer elendslangen Autofahrt kamen wir viel zu spät in Sand in Taufers an. Auf dem Sessellift sitzend sahen wir bereits die ersten Piloten über dem Startplatz aufdrehen. Man munkelt, dass sich der ein oder andere Pilot nach während der Fahrt mit dem Sessellift das Urinalkondom anlegte ;-).
Oben angekommen war aber schnell klar, dass es nicht der erwartete Hammertag würde. Der Südwestwind blies kräftig und die Böhen und Thermik-Ablösen ließen einige Starts sehr abenteuerlich anmuten. Dennoch schmissen wir uns nach rekordverdächtig kurzer Vorbereitungszeit in die Luft. Der Startbart und die erste Querung waren noch problemlos und die starke Thermik erlaubte es, schnell Höhe zu machen. Aber gegen den Wind, der immer mehr auf West drehte und dabei zunahm, war das Fliegen eigentlich nicht lustig. Außerdem merkte ich, dass ich den RISE zu wenig belastet flog, was bei starker Thermik und starkem Wind kontraproduktiv war. Nachdem ich vielen Piloten beim Außenlanden im Pustertal zusah, beschloss ich, noch mal Höhe zu machen und den Badesee neben dem Landeplatz in Sand in Taufers anzuvisieren... ein besserer Zeitvertreib als zurückzustoppen ;-)
Fazit: Viele Piloten mussten spätestens am Gitschberg aufgeben. Robert Haider hatte das Pech, nach 55 km freier Strecke auf 1600m in einem Seitental landen gehen zu müssen. Einzig Lex zeigte wieder mal allen, "wo der Bartl den Most holt". Er flog -- vermutlich mit dem Messer zwischen den Zähnen -- ein 156 km FAI.
Speikboden - es geht aber auch anders
Diesmal waren wir bald am Startplatz, wo dennoch schon ein ziemliches Getümmel war. Lex, Werner und ich legten unsere Schirme etwas abseits aus. Als die ersten starteten, war ich noch nicht ganz fertig und Lex scharte schon in den Löchern hinter mir.
Heute hatte ich vorsorglich etwas mehr Ballast mit: 7 Liter Wasser in Wasserflaschen, die ich zusammengeschnorrt hatte. Im Startbart ging es um halb elf auf 3200 m ... wann gibt es das? Also beschlossen Christoph Haas und ich, nicht dem ersten Pulk zu folgen, sondern die Querung zum Pustertal direkter zu fliegen. Ein genialer Schachzug, den man an diesem Tag noch extremer hätte machen können! So war ich von Anfang an vorne dabei und es lief...
Bis zur Gitschberg-Querung flog ich eine nördlichere Route als die anderen und das ging auf. Dann der erste kleine Fehler: Statt die Querung sofort durchzuziehen, flog ich zur Abtenauer Icepeak-6-Bande ins Tal hinaus, da sie den vermeintlich besseren Bart hatten. Das kostete locker 10-15 Minuten. Egal, Kopf hoch und dem RISE die Sporen gegeben.
Mit dem Gitschberg habe ich schon so meine Erfahrungen gemacht. Auch heute war der vorgelagerte Bart dort bockig und zerrissen, aber ich kurbelte eng und ließ den Bart nicht mehr los. Auf diese Weise konnte ich den Anschluss an die Abtenauer IcePeaks, die sich beim Herumbasteln heftig verbogen, wieder finden.
Bis Sterzing war es eine "gemähte Wiese", dennoch gelang es mir hier nicht, die erträumte Abflughöhe zu erreichen. Da aber am Eingang des Ridnaun-Tals ein Bummerl stand, also flog ich beherzt los. Nach der Querung fand ich sofort Anschluss und es beamte mich regelrecht in die Höhe. Das gesamte Ridnaun-Tal hin und zurück wäre kein einziger Kurbler nötig gewesen, aber manchmal piepste das Vario zu verlockend. Ich setze meinen ersten Wegpunkt nicht ganz so weit westlich wie andere um 12:40 Uhr.

Bei der Querung zurück über Sterzing hatten wir Gegenwind, der durch den Talwind verstärkt wurde, je weiter man sank. Der RISE geht auch im Gas ganz gut, aber hier offenbarten sich die Vorteile der 2-Leiner-Boliden. Sie kamen nach der Querung wesentlich höher an als ich (außer den wenigen, die eine schlechte Linie gewählt hatten) und während ich mich nach oben beuteln ließ, zischten sie schon Richtung Lüsen. Dank starker Bärte und Angriffslinie hatte ich sie aber vor der Lüsen-Querung schon wieder eingeholt. Während ich noch Höhe für die Querung machte, sah ich einigen anderen bei der Querung zu. Franz Grünwald zB. erwischte eine ziemlich schlechte Linie. Ich beschloss, für die Querung soviel Höhe wie möglich zu tanken, was sich als gut herausstellte, denn gegen Ende der Querung ging es auch bei mir ordentlich runter ... sicher auch weil die gesamte Lüsenkette ging wie die S.., mit einer Wolkenstraße markiert wie ich es vorher noch nie erlebt hatte. Einstiegsbart ausgekurbelt und dann meist delphinierend, manchmal mit angelegten Ohren, dahingezischt.

Juhuuuu!!!!
Der Flug zum Kreuzkofel war relativ einfach, wobei mich die Route direkt Richtung Sella-Joch schon sehr gereizt hätte. Wie sich bei Lex aber zeigte, hätte dies wohl nichts gebracht. Leider lag die gesamte Kreuzkofel-Gruppe im Schatten als wir dort angelangten und statt der erwarteten, großflächigen 6-Meter-Bärte fand ich nur müde 2-3-Meter-Schläuche.

Nun kam der zweite Patzer des Tages: Ich setzte, da ich bis zum Kronplatz schon alles im Schatten sah, den südlichen Wendepunkt nicht weit genug hinaus. Ich flog ein Stück ins Tal hinaus Richtung Belvedere, drehte um, und machte mich vom Acker. Vor der Querung wurde ich dafür mit einem satten Bart belohnt, der mich auf fast 4000 Meter brachte.
Mit dieser Höhe war auch der Anschluss im Ahrntal schnell gefunden. Dennoch waren hier die Bärte leider etwas ruppiger und zerrissener. Nach knapp 7 Stunden Airtime war ich schon etwas geschlaucht und froh, dass der RISE gut gedämpft ist und auch bei diesen Bedingungen sehr brav reagiert.
Das Ahrntal Richtung Nordost war, als ich dort flog, auf der südlichen Seite nahezu komplett abgeschattet. Dennoch trug es dort halbwegs und so blieb ich auf dieser Seite. Sehr weit im Tal hinten sah ich noch ein Sonnenfleckerl. Dieses visierte ich an und wurde mit 150 Meter Höhe belohnt. Na ja, man nimmt um diese Uhrzeit, was man kriegt ;-)
Beim Rückflug hatte ich immer wieder mal Steigen und der Gegenwind war nicht so schlimm wie erwartet. Eigentlich wollte ich nur noch ausgleiten, aber dann wurde der Rückenwind immer mehr. Auf einmal hatte ich wieder einige Heber und dann begann es zu schütteln, und tatsächlich, hier war noch ein Bart! Nachdem ich mich einen Grat entlang nach oben versetzen hatte lassen, wurde es aber immer ungemütlicher und ich flog weiter.

Plötzlich merkte ich, dass der Rückenwind nachließ... und dann, wie aus dem nichts ... BAMMM!!! Gegenwind!!! Eine fette Konvergenz, Thermik, Leerotoren, Eichhörnchen, die es mit nach oben gerissen hatte (*) und was weiß ich... auf jeden Fall riss es mich nochmalsauf 3.300 Meter in die Höhe.
Über Grat angekommen, sah ich allerdings Richtung Brunneck schon die Gewittertürme und hörte es Grummeln. Also beschloss ich nicht Richtung Sand in Taufers zu fliegen, sondern das Ahrntal bis zum Schluss auszufliegen. Leider der letzte Patzer des Fluges, denn der Talwind wurde immer stärker und kurz vor Luttach wurde es einfach unlustig. Also beschloss ich, obwohl ich noch viel Höhe hatte, den Flug abzubrechen.
Hätte ich gewusst, dass noch 830 Meter zum 200-er FAI fehlen, wäre ich wohl draufgeblieben. Aber ehrlich gesagt war ich froh, als ich am Boden war und ich bereue meine Entscheidung, landen zu gehen, nicht.
Fazit: 199,17 FAI-Kilometer. Weder mein weitester, noch mein längster Flug, aber mein (punkte-)bester und definitiv einer der schönsten. Und das mit einem EN-B-Schirm... der AirDesign RISE hat mich extrem positiv überrascht! (Und auch die 2-Leiner-Piloten, die dachten, dass ihnen ein PURE auf den Fersen ist ;-))
An alle, die mit mir geflogen sind: Es war mir eine Ehre!
 http://www.xcontest.org/austria/fluge/fluginformationen:staufisch/17.6.2012/08:24
Ein paar der Flüge von Piloten, mit denen ich unterwegs war:
------------- *) gut, ich war schon ziemlich fertig ;-) |